BredemeyerCompany


Berliner Zeitung, 8.1.2005


Datum: 08.01.2005
Ressort: Feuilleton
Autor: Irene Bazinger
Seite: 28
Strophen der Ewigkeit
"Drei gegen Zeus": ein Schiller-Balladen-Fest in der Brotfabrik

Es wird noch reichlich und wahrscheinlich bis über die Schmerzgrenze hinaus schillern dieses Jahr, in dem man sich allüberall auf den 200. Todestag des edlen Friedrich besinnt. Die Bredemeyer Company nun allerdings zeigt in der Brotfabrik ganz schlicht und klar - und so wahrhaftig wie im angekündigten Festivitätenreigen eher selten zu erwarten -, dass Schillers Werke nach wie vor lebendig sind. Groß und unterhaltsam.
"Drei gegen Zeus" heißt der gelungene Abend mit bekannten Balladen, der am Donerstag Premiere hatte. Bert Bredemeyer hat ihn zusammengestellt und inszeniert. Er führt die Schauspieler am Anfang zügig auf den Olymp, der hier aus einigen niedrigen Podesten, ein paar Lichtwechseln und viel Phantasie besteht. Und natürlich aus Schillers unerschöpflicher Dichtkunst, welche die drei - zugleich auf dem Gipfel des Berges wie der Poesie - vortragen.
So schöpfen sie aus dem Vollen, ohne sich in den geflügelten Worten ("Wer zählt die Völker, nennt die Namen") oder Sentenzen ("Nur der Irrtum ist das Leben / Und das Wissen ist der Tod.") zu suhlen. Ob "Die Kraniche des Ibykus" oder "Kassandra", ob "Der Taucher" oder "Der Ring des Polykrates", sie finden immer wieder neue Sprech- und Spielweisen, um präzise die Inhalte zu schildern und das Versmaß nachzuzeichnen. Das geschieht zumeist durch abwechselnd auf alle verteilte Textpassagen, was den szenischen Charakter der Balladen noch betont.
Deren rhythmisierte Verve wird ganz zentral zum bewegt-theatralischen Treibstoff, wenn Oli Rickenbacher auf der Gitarre etwa "Die Bürgschaft" dramatisch forciert oder in "Der Handschuh" den Kontrabass streicht und zupft. Dazu erzählt Raimund Wurzwallner von dem kühnen Ritter, der besagtes Kleiderstück aus dem Löwengarten holt, indes Julia Littmann mit dem Triangel ironisch die Pointen setzt.
Jeder der Darsteller trägt - wie Barnett Newmans Gemälde "Who's Afraid of Red, Yellow and Blue" entstiegen - jeweils leuchtend rote, gelbe, blaue heutige Alltagsgarderobe. Vielleicht um dem Publikum auch dadurch die Angst vor dem Klassiker und dem Schulstoff zu nehmen. Kein Wunder, dass Zeus am Schluss mit "Die Teilung der Erde" seine tapferen Poeten - Ehre, wem Ehre gebührt - einlädt, im Himmel mit ihm zu leben: Nach dieser fröhlich-klugen Aufführung allemal.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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